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Die Geschichte von Pornichet: vom Salzdorf zur Stadt am Ozean

Vom Dorf der Salzarbeiter zur Gemeindegründung im Jahr 1900

An diesem Küstenabschnitt zwischen Saint-Nazaire und La Baule-Escoublac lebte man nach dem Rhythmus der Gezeiten, es wurde Salz geerntet und Fischfang betrieben. Dann kamen eines Tages Besucher aus Nantes und Paris: sie waren ganz begeistert vom Sand, von der Meeresluft, dem besonderen Licht und der Ruhe. Und aus einem kleinen Dorf mit 400 Einwohnern wurde innerhalb eines halben Jahrhunderts eine eigenständige Gemeinde.

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Als die Salzgärten dem Strand weichen mussten

Vom Salzarbeiterdorf zur Gemeindegründung im Jahr 1900

Mitte des 19. Jahrhunderts war Pornichet kaum mehr als ein Dorf mit 400 Einwohnern, das zu den Gemeinden Saint-Nazaire und Escoublac gehörte. Man gewann Salz in den Salzgärten, fischte entlang der Küste und bewirtschaftete das Land. Das Leben verlief im ruhigen Rhythmus der Jahreszeiten, weit entfernt vom Trubel der Städte.

 

Alles änderte sich mit dem Aufkommen des Badetourismus. Im Meer zu baden galt damals nicht so sehr als Freizeitvergnügen sondern vielmehr als medizinische Behandlung und zog eine wohlhabende Kundschaft an. Persönlichkeiten und Geschäftsleute aus Nantes, Angers und Paris entdeckten Pornichet und seine Küste. 1845 erwarb der Reeder Jacques Berthault aus Nantes 562 Hektar Dünen und pflanzte Strandkiefern, um den Sand zu befestigen. Bereits ab 1862 entstanden die ersten Villen. 1876 wurde das Hôtel des Bains et de la Plage eröffnet, 1882 folgte das Grand Hôtel de l’Océan mit seiner Spielbank. 

 

Mit der Eröffnung der Bahnlinie Saint-Nazaire – Le Croisic im Jahr 1879 beschleunigte sich diese Entwicklung. Urlaubsgäste konnten nun bequem mit dem Zug anreisen und wurden immer zahlreicher. Die Bevölkerung wuchs rasch. Die seit 1870 nach und nach aufgegebenen Salzgärten wurden 1899 endgültig trockengelegt. Am 9. April 1900 wurde Pornichet mit fast 1 200 Einwohnern nach zahlreichen Gesuchen offiziell eine eigenständige Gemeinde. Das ehemalige Dorf der Salzarbeiter begann das 20. Jahrhundert als Stadt.

 

Menschen und Symbole

Die Visionäre hinter der Stadt am Ozean

Bereits am 13. Mai 1900 hatte Pornichet seinen ersten Gemeinderat und seinen ersten Bürgermeister: Charles Mercier, ein Pariser Anwalt, der sich maßgeblich für die Unabhängigkeit des kleinen Hafenortes eingesetzt hatte. Doch Mercier war nicht nur ein Verwaltungstalent. Schon 1886 entwarf er das Viertel Sainte-Marguerite mit strengen Bauvorgaben: Geschäfte und Spielkasino waren untersagt, um den Wohncharakter des Viertels zu bewahren. Nur wenige Monate nach der offiziellen Gemeindegründung entschied der Gemeinderat, auf dem heutigen Place du Marché eine öffentliche Schule zu bauen — noch bevor es überhaupt ein richtiges Rathaus gab.

1912 erhielt Pornichet sein Wappen und sein Motto. Unter dem Glockenturm des Rathauses kann man noch heute das Gemeindewappen in Stein erkennen: zwei Delfine, Sinnbilder für Lebenskraft, rahmen die kleine Felseninsel Pierre Percée ein. Die Strandkiefer erinnert an Jacques Berthault, der die Dünen befestigte. Die Jakobsmuscheln stehen für die maritime Identität der Stadt. Das Motto Nanti neptunus favet amicus („Der freundliche Neptun ist den Schwimmern wohlgesinnt“) wurde von Charles Mercier selbst verfasst, mit Blick auf das Motto der Stadt Nantes — eine Hommage an die Einwohner von Nantes, die entscheidend zur Entwicklung Pornichets beigetragen hatten.

 

Pornichet inspirierte auch Schriftsteller. Nach einer Reise durch die Halbinsel Guérande verlegte Jules Sandeau die Handlung seines Romans La Roche aux Mouettes an das Felsenriff Pierre Percée und ließ sogar eine Figur namens Pornichet auftreten. Später erwähnte Julien Gracq in seinen Lettrines die Landspitze Pointe du Bé und das Kasino. Der Astronom Camille Flammarion beschrieb von diesem Küstenabschnitt aus das phosphoreszierende Meer. Sarah Bernhardt verbrachte Zeit in Sainte-Marguerite und war Stammgast im Hôtel de l’Océan.

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Pornichet in Daten

  • 1845 – Erwerb der Dünen durch Jacques Yves Berthault
  • 1862 – Erste Villen entstehen
  • 1876 – Hôtel des Bains et de la Plage eröffnet
  • 1879 – Eröffnung der Bahnlinie
  • 1882 – Grand Hôtel de l’Océan
  • 1900 – Gemeindegründung
  • 1907 – Eröffnung der Pferderennbahn
  • 1912 – Einführung von Wappen und Motto
  • 1922 – Anerkennung als Luftkurort
  • 1930 – Bau der Strandpromenade
  • 1934 – Meeres-Thermalbäder
  • 1936 – Erster Campingplatz
  • 1978 – Eröffnung des Tiefwasserhafens
  • 1996 – Entstehung des Festivals Les Renc’arts
  • 1998 – Neue Markthalle
  • 2005 – Kulturzentrum Quai des Arts
  • 2011 – Neue Pferderennbahn
Auf den Spuren der Gründer

In das Kulturerbe von Pornichet

Wer diese Geschichte zurückverfolgen möchte, besucht das Maison du Patrimoine, wo Dokumente, Fotografien und Objekte die Erinnerung der Stadt lebendig machen. Ebenfalls möglich ist die geführte Tour « Auf den Spuren der Gründer von Pornichet » : hier erfahren Sie alles über Jacques Berthault, Louis Flornoy, die Klosterschwestern, die als erste Thalassotherapie anwandten, und die ersten Urlaubsgäste.

 

1922 wurde Pornichet offiziell zum Luftkurort erklärt und für die heilenden Eigenschaften seiner Seebäder und der jodhaltigen Meeresluft anerkannt. In den 1960er Jahren entwickelte sich die Thalassotherapie weiter und die Strandpromenade nahm Form an. 1978 machte der Tiefwasserhafen Pornichet zum größten Sportboothafen des Départements. Jedes Jahrzehnt fügte der Identität der Stadt eine neue Facette hinzu – von der 1998 eröffneten Markthalle bis zum Kulturzentrum Quai des Arts im Jahr 2005.

 

Und die Belle-Époque-Villen von Pornichet – mit all ihren Türmchen, Erkerfenstern und kunstvollen Fassadendetails – so ist das ein Kapitel für sich.