Vier Geschichten, eine Stadt am Ozean

Vier ganz verschiedene Stadtviertel

Sainte-Marguerite, das kosmopolitische Viertel

In Pornichet hat jedes Stadtviertel sein eigenes Ambiente. Namen, Geschichte, Charakter: alles ist ganz individuell. Einerseits elegante Ferienresidenzen mit Blick auf den Atlantik, andererseits ein ländlicher Weiler, in dem die Zeit lange stillstand, und etwas weiter entfernt ein Bahnhof, der die Geschichte geprägt hat. Man wechselt innerhalb weniger Minuten von einem Viertel ins nächste — und die Kulisse verändert sich mit jedem Schritt.e décor se transforme à chaque pas.

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Sainte-Marguerite, das kosmopolitische Viertel

1886 gründete Charles Mercier, ein Pariser Anwalt und später erster Bürgermeister von Pornichet, das Viertel Sainte-Marguerite, das er nach seiner Tochter benannte. Seine Bauvorgaben waren eindeutig: keine Geschäfte, kein Spielkasino. Ruhe und Zurückgezogenheit standen an erster Stelle. Gemeinsam mit seinen Partnern, dem Briten Charles Spiers und dem Belgier Ernest Ortmans, eröffnete er 1895 direkt am Meer das Hôtel de la Plage. Gäste kamen aus ganz Europa und weit darüber hinaus. Engländer, Amerikaner, Graf Zeppelin, die im Exil lebende Königin Ranavalona III. von Madagaskar und die Schauspielerin Sarah Bernhardt, die bei ihrem Freund Albert Carré, Direktor der Opéra-Comique, zu Gast war.

Es entstanden Tennisplätze, ein 9-Loch-Golfplatz — der erste auf der Halbinsel von Guérande — sowie der erste Yachtclub der Region. Ein Reiseführer aus dem Jahr 1935 bezeichnete das Viertel als „eine der Perlen von Pornichet und der Côte d’Amour“. Heute existiert das Hôtel de la Plage nicht mehr, doch der Charme ist geblieben. Hinter Hecken verstecken sich Villen, Pinien filtern das Licht und der Strand empfängt seine Gäste noch immer für unvergessliche Momente voller Leichtigkeit.

Pointe du Bé, das literarische Viertel

Pointe du Bé verdankt seinen Namen dem bretonischen Wort Beg, was „Landspitze“ bedeutet, und taucht bereits Ende des 18. Jahrhunderts auf den sogenannten Cassini-Landkarten auf. Hier ließen sich Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Ferienfamilien nieder, in großen Häusern auf den Felsen, umgeben von Gärten und ehemaligen Befestigungsanlagen. Beim Bau des Chalet Plocquin entdeckte man die Fundamente einer gallo-römischen Villa sowie Keramikreste. Dieser Ort ist seit sehr langer Zeit bewohnt.

1879 finanzierten Anwohner gemeinschaftlich den Bau der Sainte-Anne-Kapelle, die am 24. August desselben Jahres eingeweiht wurde. Der Schriftsteller Julien Gracq verbrachte hier als Kind seine Ferien in der Villa Ker Louisa. In Lettrines erinnert er sich an „den Duft der Zypressen, die durch die Dunkelheit glitten“ und „den frischen Geruch gewaschener Tannen, der Duft der Ferien schlechthin.“

Heute spaziert man durch ruhige kleine Straßen, entdeckt ehemalige Austernparks, fühlt sich vor den alten Befestigungen ins 18. Jahrhundert zurückversetzt und bleibt vor dem vollständig restaurierten Château des Tourelles stehen. Die Ruhe dieses Viertels hat sich bis heute nicht verändert.

 

Saint-Sébastien, das Dorf, in dem alles begann

Saint-Sébastien ist das älteste Viertel Pornichets. Sein Name stammt von einer Kapelle aus dem Jahr 1491, von der heute nur noch das Spitzbogenportal erhalten ist. 1823 notierte der Schriftsteller Édouard Richer, dass die Bewohner „bei der Begegnung mit Fremden in sprachloses Erstaunen verfielen.“ Als Maxime Du Camp und Gustave Flaubert 1847 hier vorbeikamen, beschrieben sie lediglich „einen armseligen Weiler mit zwölf Strohhäusern.“

Dieses abgelegene Dorf lebte weitgehend autark, bis 1850 eine Landstraße angelegt wurde. Danach begannen Urlaubsgäste auf dem Weg ans Meer, das Dorf zu durchqueren. Die Kirche wurde 1868 für Gottesdienste eröffnet und erhielt 1897 ihren Glockenturm. Ihre beeindruckende Größe hatte einen Grund: sie war damals die einzige Kirche zwischen Escoublac und Saint-Nazaire. Im Jahr 1900 ließ sich die neue Gemeindeverwaltung mangels anderer Räumlichkeiten in der Dorfschule nieder. Das Dorfleben spielte sich rund um den kleinen Laden, die Schmiede und die Schänke von Madame Leblais ab, wo Radfahrer nach einem steilen Wegstück gern eine Pause einlegten. Heute hat die Stadt das Dorf längst eingeholt, doch Kirche und Glockenturm wachen noch immer über Pornichet.

 

Das quirlige Stadtzentrum

Am 11. Mai 1879 wurde die Bahnlinie Nantes – Le Croisic feierlich eröffnet. Sie war hauptsächlich für den Transport von Salz und Fisch gedacht, doch die Familien aus Paris und Nantes nahmen sie sehr schnell im Sturm. Pornichet war nun nur noch zehn Stunden von Paris entfernt. Die Dampfzüge brachten ganze Ströme von Urlaubsgästen mit ihren Hausangestellten und Bergen von Gepäck. Vor dem Bahnhof drängten sich Pferdewägen und improvisierte Karren, um die Reisenden zu ihren Ferienresidenzen zu bringen. Die Neuankömmlinge wurden mit Musik direkt am Bahnsteig empfangen — Festlichkeiten schon bei der Ankunft.

Geschäftsleute erkannten schnell das Potenzial und eröffneten rund um den Bahnhof zahlreiche Läden, wodurch ein zweites Stadtzentrum entstand. Heute erreicht man Pornichet mit dem TGV in nur drei Stunden ab Paris. Die festliche Ankunft mit Musik gehört der Vergangenheit an, doch geblieben ist ein lebendiges Zentrum voller Geschäfte, Terrassen und kulturellem Leben.

Eine Reise durch die Zeit

Die Viertel von Pornichet mit einem Guide entdecken

Jedes Viertel erschließt sich noch intensiver, wenn es von Menschen erzählt wird, die alle seine Geheimnisse kennen. Die Belle-Époque-Führungen von Pornichet führen auf die Spuren der Urlaubsgäste, Architekten und Persönlichkeiten, die die Stadt geprägt haben.

 

Visite de Sainte-Marguerite

Entre pins, villas Belle Époque et océan, découvrez le charme préservé du quartier de Sainte-Marguerite lors d’une balade guidée hors du temps.

Voyage dans le temps

Remontez le temps dans le quartier de Mazy et plongez dans la Belle Époque, à l’époque de l’arrivée du train et des premiers bains de mer à Pornichet.

Fin de journée à la pointe du Bé

Au couchant, la pointe du Bé se dévoile face à l’océan. Entre villas, chapelle et horizon infini, la lumière glisse doucement et invite à ralentir. Une parenthèse suspendue, là où Pornichet se raconte au rythme du soir.